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in Liturgie und Spiritualität e.V.

Träume leben

Das Team vor Fahnen

Träume leben - Impuls des Monats Februar 2026 / CAT-Website 

Tanz Kirche – Wellen, Wolken, alles tanzt mit 
Ex 15,20f und eg 680

Die Kirche ist leergeräumt, aber wirkt keineswegs verlassen. Im Mittelschiff stehen und bewegen sich Menschen, ihre Arme schwingen, Füße ertasten den Boden – barfuß, in Strümpfen oder Schuhen. Der Holzboden knarrt. Manche Augen sind halb geschlossen, andere im regen Kontakt mit einer anderen Person. Während die einen sich, wie mit einem unsichtbaren Band verbunden, im gleichen Rhythmus bewegen, tanzt ein anderer losgelöst von irgendwelchen Erwartungen sein langsames, zärtlich-hingebendes Gebet. 

Tanz Kirche – ein gelebter Traum! 

Sie fragen sich, wo das stattfindet? An immer mehr Orten! 
In Krefeld zum Beispiel, in Köln, Bonn oder Düsseldorf, aber auch in ländlicheren Kirchen: In Grefrath am Niederrhein gestaltete beispielsweise die AG „Biblischer Tanz Bonn“ die Predigt eines Gottesdienstes mit acht getanzten Szenen aus der Exodus Erzählung, einer Geschichte von Unterdrückung, Flucht und Befreiung. Die zuschauenden Gottesdienstfeiernden waren sehr beeindruckt und innerlich bewegt, wie sie beim anschließenden Kirchencafé erzählten. 

Claudia Mitscha-Eibl bringt es in ihrem Lied in Anlehnung an die biblische Mirjam zum Ausdruck: 
Alle, alle fingen zu tanzen an, (…), und Wellen, Wolken, alles tanzt mit. Mirjam hob ihre Stimme und sang für Gott, sie sang ihr Lied. 

Wer von Ihnen schon einmal liturgischen oder meditativen Kreistanz mitgemacht hat, Bibliotanz oder freien Tanz kennt, auf Festen gerne tanzt, erinnert sich wahrscheinlich an die Freude beim Tanzen oder die Ruhe beim meditativen Tanz … 

Immer wieder berichten Menschen, welche Kraft sie aus dieser körperlich, rhythmischen Bewegung schöpfen, die Leib, Seele und Verstand vereint. Da sind Menschen, die wild und ausgelassen tanzen oder aber auch jene, die sich mit Rollator auf die Tanzfläche begeben. Andere sitzen am Rand und bewegen nur die Finger, schwingen innerlich aber ganz mit der Musik mit. Für einige sind es die Texte der Lieder, die sie im Tanz umsetzen, für andere ist der Tanz eine eigene Sprache, mit der sie zwischen Menschen und auch mit Gott kommunizieren. 

Tanz Kirche – ein gelebter Traum!

Aber ist das nicht gefährlich? In der evangelischen Kirche hat das Wort im Zentrum zu stehen … öffnet das Tanzen nicht der Gefühlsduselei und ungewollten Zeitgeistern Tor und Tür? 
In der Christlichen Arbeitsgemeinschaft Tanz in Liturgie und Spiritualität wird viel ausprobiert, werden Erfahrungen gesammelt und reflektiert. Die Mitglieder stellen sich unter das Wort Gottes und lassen sich zum Tanz von diesem inspirieren. Sie tauschen sich darüber aus, stehen miteinander im Gebet als Glieder des Leibes Christi. Sie sind unterwegs mit Gott, manche haben Narben von einer verkopften Kirche, in der Verstand und Gefühl gegeneinander ausgespielt wurden. Biblisch aber vereint das Herz Vernunft, Emotionen und Sinnhaftigkeit. Wer mit Gott unterwegs ist, wie Abraham und Sara, Mirjam und Maria, Josef, Petrus oder Lydia geht immer ein Risiko ein. Dabei vertraute Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester auf Gottes Begleitung und zog mit Israel mitten durchs Meer, im Herzen den Traum vom gelobten Land. Und die Frauen folgten ihr mit Pauken im Reigen nach diesem gefährlichen Durchzug ans neue Ufer. 

Die Narben der Knechtschaft an Schultern und Knien, 
die Blicke verhalten und scheu, 
die Rücken gebeugt noch, so ziehn sie dahin, 
und die Freiheit ist drohend und neu. 
Es lockt die Versuchung, zurück zu fliehn 
in die Sicherheit der Sklaverei. Doch:
Mirjam Mirjam schlug auf die Pauke 
und Mirjam tanzte vor ihnen her. 

Tanz Kirche – ein gelebter Traum!

Die Tanzenden sind ganz bei sich und doch zugleich offen für das, was größer ist als sie selbst. Sie kommen in die Kirche mit sich selbst, mit ihren Gedanken, Gefühlen, Träumen und der Realität. 
Sie tanzen ab, was beschwert. 
Sie schöpfen Kraft in der Verausgabung. 
Sie bringen sich ein im Miteinander der Tanzenden. 
Sie durchleben, was sie aufwühlt und bringen es zum Ausdruck. 

Häufig verwandeln sich dabei Gefühle: 
Ruhe kehrt ein, Trauer zeigt sich oder Freude keimt auf. 
Leichtigkeit huscht hindurch. 
Gottes Geistkraft weht, sie ist anwesend im Atem der Tanzenden, 
im Raum zwischen Mensch und Gott, in der Tanz Kirche. 

Alle, alle fangen zu tanzen an, 
tanzend ziehen sie in die Kirche ein. 
Frauen tanzen, tanzen die Männer, 
und Wellen, Wolken, alles tanzt mit.

Tanz Kirche – eine Einladung!

dace-flow-spiritKatrin Meinhard, Initiative dance.flow.spirit Krefeld 

Text zuerst veröffentlicht in Broschüre „Träume leben“ des Landesverbandes der Evangelischen Frauen im Rheinland

 

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