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in Liturgie und Spiritualität e.V.

Symposium 2027

 

Stadt des Friedens Banner

 

Gemeinsam für eine friedliche Gesellschaft
Tanz - Perspektiven im interreligiösen und interkulturellen Dialog      Infos 


Symposium und Feier des 30-jährigen Jubiläums 
der Christlichen Arbeitsgemeinschaft Tanz in Liturgie 
und Spiritualität e.V. in Kooperation mit dem Haus der Religionen Hannover

7. bis 10. Januar 2027

in der Tagungsstätte Lutherheim, Jägerallee 38, 31832 Springe

Aktuelle Herausforderungen und Wandlungen in einer multikulturellen und weltanschaulich differenzierten Gesellschaft stellen die Frage, wie ein friedliches Mit­einander gelingen kann. Vermag Tanz friedenstiftend zwischen Menschen wirken?

Mit Bewegung und Tanz, Haltung und Gebärde auf der Grundlage christlicher Spiritualität und Glauben­spraxis sind wir als Verein seit 30 Jahren ökumenisch unterwegs. 
Mit dem Symposium wollen wir unseren Blick weiten über die eigenen Traditionen hinaus und suchen nach der Bedeutung von Tanz und Gebärde in der Spiritualität anderer Religionen und der gemein­samen Kraft des Tanzes. 
Uns inspiriert die Vision, mit Tanz Ausdrucksmöglichkeiten zu schaffen zu mehr Verständigung, Toleranz und friedlicher Koexistenz.
 


 

Als Tanzende mit unterschiedlichen spirituellen und kulturellen Wurzeln gehen wir auf Spurensuche in: 

• Workshops mit Hintergründen und Praxis 
• Wissenschaftlichen Vorträgen und Podien 
• Führung durch das Haus der Religionen
• Erfahrungsaustausch und Reflexion 
• Tanz und Musik


 



 

CAT Symposium Ablauf 


Donnerstagabend, 7.1.2027
Ankommen 
18.30 Uhr     Abendessen 
19.30 Uhr     Tänze des universellen Friedens mit Adelheid Weichselsdorfer, Tanzleiterin

Freitagvormittag, 8.1.2027  - Tanz als universelle Sprache in den Religionen
07.30 Uhr     Morgenlob 
08.00 Uhr     Frühstück
09.00 Uhr     Kurzimpulse aus Judentum, Islam und Hinduismus im Plenum 
        Workshops parallel in drei Gruppen
        Plenum mit Workshopleitenden, Nachfragen und Gespräch
        
Freude an der Tora - Tanz und Bewegung im jüdischen Leben
Alisa Bach, Rabbinerin


Sema - Gottesdienst mit Bewegung - Im Drehen das Herz mit Gott verbinden
Arzuhan Cicek Aksoy, Türkischlehrerin 

Bharata Natyam - klassisch indische Kunstform zur persönlichen, spirituellen Entwicklung
Vathsalan Rajan, Tanzlehrer 

12.30 Uhr MITTAGESSEN im Tagungshaus

Freitagnachmittag – Tanz und Musik stiften Gemeinschaft 
im Haus der Religionen, Hannover 

14.00 Uhr Exkursionsstart zum Haus der Religionen in Hannover, 
gemeinsame Busfahrt vom Tagungsheim in Springe nach Hannover

14.45 Uhr 
a) Führung und Erkundung der Ausstellung im Haus der Religionen 
mit Informationen zur Geschichte des Hauses und Begegnung mit Vertreter*innen der Religionen

b) Babel in motion_ngoma 
Ein Workshop mit dem multikulturellen asambura ensemble in Zusammenarbeit mit dem Tänzer Michael Gagawala Kaddu 

a + b geschieht parallel in zwei Gruppen im Wechsel 

Abschluss gegen 18 Uhr mit gemeinsamem interreligiösen Friedensgebet,
danach gemeinsame Rückfahrt zum Lutherheim Springe

Abendessen im Tagungshaus in Springe (Lutherheim)

Samstagvormittag, 9.1.2027 - Tanz zwischen Vision und Wirklichkeit

07.30 Uhr    Morgenlob
08.00 Uhr     Frühstück

Vorträge und Gespräche

9.00 Uhr    
Empfindung, Berührung, Resonanz. Tanzend die Welt, sich selbst und Andere erfahren
Prof. Dr. Gabriele Klein, Professorin für Ballett und Tanz (Hans van Manen Chair), Universität Amsterdam, zuvor Professorin für Soziologie Universität Hamburg

10.30 Uhr
Körper, Tanz, Kirche. Vom theologischen Ringen um eine Tanzpraxis im Christentum 
Dr. phil. Tatjana K. Schnütgen, Autorin, Pfarrerin und Tanzpädagogin

12.30 Uhr MITTAGESSEN

Samstagnachmittag 
15.00 Uhr
   a) Asambura - Ein transkulturell-zeitgenössisches Musikensemble als Erinnerungsraum
Erfahrungen, Impulse und Inspirationen
Maximilian Guth, Komponist, Künstlerischer Leiter des asambura ensemble und Musikvermittler

   b) Podiums- und Plenumsgespräch 
Wie wirken wir mit Tanz in die Gesellschaft friedensstiftend hinein? 
Aus unseren jeweiligen Religionen? Gemeinsam? Interreligiöse Spiritualität des Tanzes?
Was bedeutet dies für die Zukunft der CAT?

Abend
Jubiläumsfeier der CAT mit Musik/Tanz und Beiträgen

Sonntagvormittag, 10.1.2027
09.00 Uhr     Feedback-Runde + Zukunft
11.00 Uhr     Öffentlicher Tanz-Gottesdienst in Springe

12.30 Uhr MITTAGESSEN im Tagungshaus
 


 

Vorbereitungsteam

Claudia Schimmer, Bärbel Sinsbeck, Katrin Meinhard, Martina Lamprecht, Annette Böhm
Mobil erreichbar in der Tagungszeit:  +49 1512 1320053 (Katrin Meinhard)
 

Referent*innen und Mitwirkende

Adelheid Weichselsdorfer,  
geb. 1956, verheiratet, Mutter von 2 erwachsenen Söhnen.

Geprägt von der Tradition der Evangelischen Kirche erlebte ich meine erste Begegnung mit Meditativen Kreistänzen – getanzten Gebeten – als Befreiung zum körperlich erfahrbaren Glauben. Nach intensiver Fortbildung in den Tänzen des Universellen Friedens konnte ich sie in meine langjährige Tätigkeit als Gemeindepädagogin einbringen. Auch als Rentnerin biete ich regelmäßig Tanzkreise in Mülheim an der Ruhr an.


Die Tänze des Universellen Friedens wurden von Samuel Lewis (1896 – 1971) begründet und entwickelt. Als Sufi-Lehrer und Zen Meister hat er sich auch intensiv mit den mystischen Traditionen des Hinduismus, Judentums, Christentums und Islams beschäftigt. Bei den Tänzen werden Mantren, Gesänge und Bewegungen aus den Religionen und Traditionen dieser Erde verwendet. In der weltweiten, lebendigen Friedenstanzbewegung entwickeln sich immer wieder neue Tänze. Sie sind ein freudiger, multikultureller Weg, das Herz zu berühren, in Gemeinschaft geistige Nahrung zu erhalten und so für Integration und Frieden zu wirken.
(weitere Informationen: www.friedenstaenze.de)


Rabbinerin Alisa Bach

 
Alisa Bachwurde in Israel geboren und ist weitgehend in Deutschland aufgewachsen. Als Juristin und Sozialwissenschaftlerin leitete sie über viele Jahre ein großes Jugendamt. Nach ihrer Pensionierung studierte sie Jüdische Theologie und wurde im November 2025 zur Rabbinerin ordiniert. Rabbinerin Bach gehört der liberalen Strömung des Judentums an. Bekanntschaft mit israelischen Volkstänzen machte Rabbinerin Bach insbesondere auf zahlreichen Jugendfreizeiten der Zionistischen Jugend Deutschlands (ZJD). Viele Jahre praktizierte sie als Hobby bei der Tänzerin Manja Chmiel modernen Ausdruckstanz und Improvisation 

Tanz im religiösen Leben des Judentums
In Religion und Geschichte des jüdischen Volkes ist Tanz seit jeher ein wichtiges Ausdrucksmittel. Tanz ist neben den in der Antike dargebrachten Opfern, dem Gesang und den Worten des Gebets seit je ein Mittel der Hinwendung zu Gott in Freude, Konzentration und auch Ekstase. Bei einigen Feiertagen steht der Tanz im rituellen Mittelpunkt. Eine besondere Bedeutung erlangte der Tanz in der osteuropäischen, an die jüdische Mystik anknüpfende Bewegung des Chassidismus seit dem 18. Jahrhundert. Im 19.Jahrhundert entwickelten sich aus Tanzelementen verschiedener Kulturen im Kontext der zionistischen Bewegung neue Volkstänze und im Staat Israel existieren verschiedene moderne Tanzgruppen mit unterschiedlichen Tanzstilen, insbesondere Ausdruckstanz. Im Workshop werden wir kurze Texte aus der hebräischen Bibel zum Tanz lesen. Im Rahmen der technischen Möglichkeiten sollen Videos gezeigt werden: das „Tanzen mit der Torarolle“ am Fest der Freude an der Tora; chassidischer Tanz und moderner Volkstanz aus Israel. Sofern die Zeit es erlaubt, können wir einen einfachen israelischen Volkstanz, der Freude über das überlebenswichtige Wasser ausdrückt, gemeinsam tanzen.


Arzuhan Cicek Aksoy
wurde in Greven geboren. Ihre Eltern sind als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Als sie 3 Jahre alt war, zog sie mit ihrer älteren Schwester in die Türkei zur Großmutter. Die Eltern wollten, dass ihre Kinder die Kultur und Religion ihrer Heimat kennen lernen. Arzuhan Cicek Aksoy verbrachte ihre Schulzeit in der Türkei. Sie studierte in Konya Lehramt (Magister) und arbeitete als Klassenlehrerin. 2006 kam sie mit ihrem Mann zurück nach Deutschland, wo ihre beiden Töchter zur Welt kamen. Sie arbeitete in verschiedenen türkischen Vereinen (Kurse zu Sprache, Kultur, Religion) und als pädagogische Mitarbeiterin in Grundschulen in Hannover. Momentan arbeitet sie als Türkischlehrerin an Grundschulen.
Arzuhan  Cicek Aksoy ist Mitglied im Integrationsbeirat und Filographie-Künstlerin.

Sema – Gottesdienst mit Bewegung - Im Drehen das Herz mit Gott verbinden
In diesem Workshop werden die Grundgedanken der Lehre von Mevlana (Dschalal ad.Din Muhammad Rumi). Dem Begründer des Mevlevi–Derwisch–Ordens vermittelt. Die Lehre von Mevlana ist direkt mit dem Islam verbunden und gründet im Koran. Diese Beziehung wird erklärt. Der Schwerpunkt des Workshops liegt auf der Erläuterung der Mevlevi-Rituale, besonders des Sema, der in Deutschland als „Derwisch-Tanz“ oder „Sufi-Tanz“ bekannt ist. Sema ist der kontrollierte und bewußte Ausdruck des Zustands „vecd“ (spirituelle Ekstase). Haltung und Bewegung werden erklärt und ausprobiert. So wird versucht, die Verbindung zu Gott über die Bewegung ein Stück weit erfahrbar zu machen.


Gabriele Klein 

 Gabriele Klein hat seit 2022 die Professur für Ballett und Tanz („Hans van Manen Chair“) an der Universität Amsterdam/Niederlande inne. Von 2002 bis 2023 war sie Professorin für Soziologie von Bewegung, Sport, Tanz und Performance Studies an der Universität Hamburg. Von 2022 bis 2023 war sie für ein Jahr Research Fellow am Käte Hamburger Center „global dis:connect“ an der LMU München.
Sie ist PI des Exzellenzclusters „Understanding Written Artefacts“ an der UHH. Sie war Sprecherin der Forschergruppe „Übersetzen und Rahmen. Praktiken medialer Transformationen“, stellvertretende Sprecherin des Graduiertenkollegs „Lose Verbindungen. Kollektivität im urbanen und digitalen Raum“ (beides UHH) und Mitglied des künstlerisch-wissenschaftlichen Kollegs „Ästhetik des Virtuellen“ an der HfBK Hamburg.
Sie war Gastprofessorin und Fellowship, u.a. an der NYU/USA, am Smith College/USA, UCLA/USA, GLOSAS/Buenos Aires/Argentinien, Universidade de Sao Paulo/ Brasilien, University of Stellenbosch/Südafrika, University of Osaka/Japan, University of the Arts Taipei/Taiwan.



Ihre wichtigsten Buch-Publikationen: „Frauen Körper Tanz“, “Tanz Bild Medien”, „Electronic Vibration. Pop Kultur Theorie“; “Is this real? Die Kultur des HipHop“ (mit M. Friedrich), „Bewegung“, „Methoden der Tanzwissenschaft“ (mit G. Brandstetter), “Performance”, “Stadt. Szenen”, “Der choreografische Baukasten”, “Emerging Bodies” (mit S. Noeth), “Performance and Labour” (mit B. Kunst), “Dance (and) Theory” (mit G. Brandstetter) “Handbuch Körpersoziologie” (2 Bde) (mit R. Gugutzer/M. Meuser); “Übersetzen und Rahmen. Praktiken medialer Transformationen” (mit C. Benthien), “Performance und Praxis” (mit H. Göbel), “Pina Bausch und das Tanztheater. Die Kunst des Übersetzens” (übersetzt ins Russische 2021) sowie „Pina Bausch’s Dance Theater. Company, Artistic Production and Reception“, „Ferne Körper. Berührung im digitalen Alltag“ (mit K. Liebsch), „Materialities in Dance and Performance“ (mit F. A. Cramer). http://uhh.de/pb-gklein

Empfindung, Berührung, Resonanz. Tanzend die Welt, sich selbst und Andere erfahren
In einer krisengeschüttelten, auf virtuellen Welten, flüchtigen Informationen, Bilderfluten
und Fake News aufbauenden, mit Affekten operierenden Gesellschaft, in der Wahrheit,
Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit immer mehr auf dem Prüfstand stehen und der Kampf um
Anerkennung immer unerbittlicher geführt wird, wird die Erfahrung des „bei sich Seins“, „mit
sich im Einklang sein“, des sich Fühlens und Spürens, des leiblichen resonanten Erlebens
immer dringlicher und zugleich auch schwerer zu erreichen. 
Zugleich werden in einer sich im Inneren spaltenden Gesellschaft die Abgrenzungen gegenüber 
Gesellschaftsgruppen immergrößer, die anderen Religionen angehören, andere Kulturen pflegen oder aus anderen
sozialen Milieus stammen. 
Wenn die soziale Schere auseinander geht, wird es immer
mühevoller, einen Gemeinschaftssinn herzustellen und Vertrauen zu entwickeln.
Tanz war schon immer ein Medium, das Menschen kulturübergreifend miteinander verband
– über eine ästhetische Körperpraxis jenseits des gesprochenen Wortes. 
Tanz ist eine Art„stumme Sprache“, die an sich schon im Dazwischen angelegt ist, also per se „inter“ oder
„trans“ ist. Und dies, obwohl Tänze, ob Walzer, Tango, HipHop, Salsa, Ballett oder
zeitgenössischer Tanz beispielsweise, aus unterschiedlichen Kulturen stammen und auf
entsprechenden Körpersprachen basieren.
Welchen Beitrag kann Tanz in der heutigen spannungsreichen, kulturell diversen, auf immer
mehr digitaler Kommunikation basierenden Gesellschaft für die Erfahrung des
Gemeinsamen, für soziales Miteinander und kulturelle Integration leisten? 
Diese Fragewerde ich in dem Vortrag verfolgen und dazu die Begriffe Empfindung, Berührung, Resonanz
heranziehen, die für ein Verständnis der tänzerischen Erfahrung grundlegend sind.


Dr. phil. Tatjana K. Schnütgen
 Dr. phil. Tatjana K. Schnütgen Autorin u.a. von „Tanz zwischen Ästhetik und Spiritualität. Theoretische und empirische Annäherungen, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2019“, 
Pfarrerin und Tanzpädagogin.

 

Körper, Tanz, Kirche. Vom theologischen Ringen um eine Tanzpraxis im Christentum 
Auf den ersten Blick scheint das Christentum eine Religion ohne Tanz zu sein. Der zweite Blick zeigt ein dauerndes theologisches Ringen um den Körper und den Tanz in der Kirche. Welche wechselnde Bedeutung hatten Tänze in Glaubenspraxis und Liturgie in der Kirchengeschichte? Warum übersah die Religionswissenschaft lange Zeit den Tanz als Teil von Religion? 

Der Vortrag beschreibt sowohl unterschiedliche Gründe für den Ausschluss des Tanzes aus der christlichen Spiritualität als auch Chancen des Tanzes heute. Tanz schafft offene Räume (Third Space) für authentische, wertschätzende Begegnungen – über die Grenzen von Kirche hinaus.